MAGIE DER WALPURGISNACHT

Die Historie des Mai-Tanzes und das Austreiben des Winters

Wappen

I. Nürnbergs Goldenes Zeitalter

Ein Tanz in den Gassen der Altstadt


Wappen

II. Die Legende der Walpurgisnacht

Hexen, Schelme und der Mondschein


Wappen

III. Der Tanz zum Winteraustreiben

Feuer, Lärm und Frühlingserwachen



I. Nürnbergs Goldenes Zeitalter


In den verschlungenen Gassen Nürnbergs, wo die alten Gemäuer ihre Geschichten flüstern und die Schatten der Vergangenheit noch immer zu tanzen scheinen, findet unser Maitanz seinen perfekten Rahmen. Wenn wir uns in der Kulturscheune der Altstadtfreunde versammeln, tauchen wir ein in das goldene Zeitalter Nürnbergs – eine Epoche, in der reiche Patrizier, kunstfertige Handwerker und weltgewandte Kaufleute das Bild der Freien Reichsstadt prägten.

Gekleidet in historische Gewänder, entführe ich Euch als Tanzmeister auf eine Reise in die prunkvollen Höfe von Fürsten und Königen. Es ist ein Fest für die Sinne und die Seele gleichermaßen. Zugleich ehren wir mit diesem Ball nicht nur die Historie, sondern auch jene, die sie bewahren: Ein Teil der Erlöse dieser Nacht kommt traditionell den Altstadtfreunden Nürnberg e.V. zugute, um sie bei ihrem bewundernswerten Einsatz für den Erhalt und den Wiederaufbau der Nürnberger Baudenkmäler zu unterstützen.


II. Die Legende der Walpurgisnacht


Magie der Walpurgisnacht

Der Tanz in den Mai ist untrennbar mit den düsteren, aber auch faszinierenden Legenden der Walpurgisnacht verwoben. In jener Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, so erzählte man sich einst, tummeln sich Hexen, Dämonen und Schelme im fahleren Licht des Mondes. Ursprünglich geht der Name auf die Heilige Walburga zurück, eine englische Äbtissin des 8. Jahrhunderts, deren Gedenktag im Mittelalter auf den 1. Mai gelegt wurde. Sie galt paradoxerweise als Schutzpatronin gegen Hexerei und böse Geister.

In der Volksfantasie jedoch vermischte sich der christliche Gedenktag rasch mit tief verwurzelten, heidnischen Vorstellungen. Man glaubte, dass in dieser magischen Schwellennacht die Hexen auf Besen, Mistgabeln oder gar Tieren durch die Lüfte ritten, um sich auf Anhöhen wie dem sagenumwobenen Blocksberg (Brocken) zu großen, wilden Festen zu versammeln. Um sich vor diesen dunklen Mächten zu schützen, bediente sich die Landbevölkerung zahlreicher Rituale: Man steckte geweihte Zweige an die Stalltüren, ließ die Peitschen knallen und entzündete lodernde Feuer. Aus genau dieser schaurig-schönen Tradition schöpft unser Maitanz seinen besonderen, geheimnisvollen Reiz – wir stellen uns nicht gegen das Treiben, sondern schließen uns dem ausgelassenen Reigen an und lassen uns von den Wirren der Jahrhunderte über die Tanzfläche tragen.


III. Der Tanz zum Winteraustreiben


Tanz zum Winteraustreiben

Lange bevor man von Walpurgis sprach, markierte die Zeit um den 1. Mai bei den Kelten und Germanen eines der wichtigsten Feste des Jahres: Den Beginn des Sommerhalbjahres. Nach den langen, entbehrungsreichen und dunklen Monaten des Winters sehnten sich die Menschen nach Licht, Wärme und Fruchtbarkeit. Der Tanz in den Mai war daher in seinem tiefsten Ursprung ein lautes, wildes und ekstatisches Ritual zum "Winteraustreiben".

Mit lodernden Maifeuern, ohrenbetäubendem Lärm von Trommeln, Glocken und Peitschenknallen wollte man die eisigen Dämonen der dunklen Jahreszeit endgültig vertreiben und den Frühling gleichsam aufwecken. Der Tanz um das Feuer, und später um den geschmückten Maibaum, war ein Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens und die erwachende Natur. Wenn wir heute in der Kulturscheune unsere Gassen- und Kreistänze aus der Renaissance und dem Barock zelebrieren, knüpfen wir exakt an diese uralte Sehnsucht an. Die raschen Rhythmen, das gemeinsame Klatschen und die fröhlichen Wendungen im Tanz dienen demselben Zweck wie einst: Dem Leben zu huldigen, die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln und voller Freude den wärmenden Mai zu begrüßen.